© Denis Bivour

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Aus buddhistischer Sicht gehört Sexualität zu den Phänomenen der Erscheinungswelt, unterliegt also gemäß der Lehre den Prozessen des Werdens und Vergehens.

Buddhistische Sexualethik im gesellschaftlichen Kontext

Aus buddhistischer Sicht gehört Sexualität zu den Phänomenen der Erscheinungswelt – unterliegt also gemäß der Lehre den Prozessen des Werdens und Vergehens, des ständigen Wandels und ist daher niemals von Dauer. Im BB heißt es: „Alles Bedingte ist unbeständig.“

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Die Erscheinungsformen der Sexualität veranschaulichen diese Veränderungsprozesse anhand der eigenen Erfahrung und Entwicklung: Im Verlauf des Begegnens dreht sich alles um das Berühren und Ergreifen, überwältigt von Wohlbehagen, Glücksgefühlen und Begehren. An den Gefühlen festhaltend und an der Sehnsucht haftend drängt es nach wahnhaftem Glück. Und zwar derart zielstrebig und unbeirrbar, dass die alten Schriften von „Durst“ reden, von der Begierde, von Verblendung – sobald sie nicht mehr von Achtsamkeit begleitet werden: Das ungezügelte sexuelle „Begehren“ gilt als ein „Durst nach Sinnenlust“. Zahlreiche Stellen der Frühschriften verweisen auf die Anziehung der Geschlechter untereinander gleichermaßen (A I/1; III/109; VIII/17; D 22,33, 34). Sie lassen im Umkehrschluss zu, Sexualität auf dem mittleren Weg zu erfahren – zwischen der Glückseligkeit einerseits und den Zwängen (Anhaftungen) andererseits.

Artikel:


Inhalte:

1. Allgemeine Perspektiven

Themen: Rituale und Feste, Familie, Status der Frau, patriarchalische Strukturen

2. Sexualität im Lebensprozess

Themen: an Gefühlen festhalten, Anhaftungen, Zwänge und Verblendungen, Befreiung, Verhältnis der Geschlechter, Hetero-, Homo-, Bi- und Transsexualität, geschlechtliche Indifferenz, Reine-Land-Buddhismus, Missbrauch

3. Perspektiven der buddhistischen Frühschriften

Themen: Ethik-Grundlagen (Achtfacher Pfad, Liebende-Güte-Rezitation, Vier Heilsame Haltungen, Sechs Vollkommenheiten, Rezitations-Texte) heilsam denken und handeln, Urteilskraft, Interpretation, Buddhistische Bekenntnis, Fünf Verhaltens-Übungen, Eigenverantwortung

4. Die zwei Übungen zur Sexualethik

(1) Nicht verletzen – Ehrfurcht vor dem Leben, (Themen: Würde, Mitgefühl, Goldenen Regel, Verletzen, Gewalt)
(2) Keine unheilsamen sexuellen Handlungen – Beziehungen achten (Themen: Einverständlicher Sex, Missbrauch Schutzbefohlener, Häuslichen Gewalt, Verhütung, Geburtenkontrolle, Schwangerschaftsabbruch, verschiedenen Sexual-Praktiken)

5. Ethik und Eigenverantwortung – unser Einfluss auf die Karma-Entwicklung

Themen: Re-Aktionen, im gegenwärtigen Moment, Eigenverantwortlichkeit, innere Einstellung, Bemühung, Glaubwürdigkeit, Mitfreude

6. Meditative Sammlung und Reflexion

Themen: Geist beruhigen, Einsicht, kritische Rückschau


Jörg Lindner / 1.3.2012

Veröffentlicht in: W + N Kulturpolitische Nachrichten des Fachverbandes „Werte und Normen“ in Niedersachsen e.V. / Ausgabe 1/2012, S. 21 – 33 (copyright)