Was ist Geist? – 2. Colloquium

Das Studienprogramm der Deutschen Buddhistischen Union (DBU) lädt ein zum 2. Buddhistischen Colloquium, in Kooperation mit der Stadtbibliothek Köln. Referentinnen: Prof. Thomas Metzinger, Tatsudo Nicole Baden Roshi, Prof. Klaus-Dieter Mathes Moderation: Prof. Gert Scobel. Die Aufzeichnung dieses 2. buddhistischen Colloquiums zum Thema stellt die DBU kostenlos zur Verfügung.

Am 15. Juli 2022, live und online. Um 14 Uhr Eröffnung durch den Vorstand der DBU, Ende 17:30 Uhr.

Das Studienprogramm der Deutschen Buddhistischen Union (DBU) lädt ein zum 2. Buddhistischen Colloquium, in Kooperation mit der Stadtbibliothek Köln.

Referentinnen: Prof. Thomas Metzinger, Tatsudo Nicole Baden Roshi, Prof. Klaus-Dieter Mathes
Moderation: Prof. Gert Scobel

WAS IST GEIST?

Die Aufzeichnung dieses 2. buddhistischen Colloquiums zum Thema stellt die DBU kostenlos zur Verfügung.
Um eine Spende wird gebeten: SPENDEN
Artikel der Vortragenden und Literaturempfehlungen (PDF)

Das erste buddhistische Colloquium zum Thema Was ist Geist? fand am 21.5.21 nur online statt. Dr. Ulrich Ott untersuchte die neurowissenschaftliche Sicht auf das Selbst, Dr. Carola Roloff referierte zum Verständnis von Geist und Geistestraining im Buddhismus und Prof. Gert Scobel betrachtete u.a. das Verständnis von Geist in der Zen-buddhistischen Philosophie. Die Aufzeich- nung dieses Colloquiums stellt die DBU kostenlos zur Verfügung unter buddhismus-deutschland. de/was-ist-geist.

Das zweite Colloquium will das Thema mit drei weiteren hochkarätigen Vorträgen vertiefen. Gert Scobel wird die anschließende Gesprächsrunde moderieren. Neben der Live-Veranstaltung in der Stadtbibliothek Köln wird auch eine Online-Teilnahme via Zoom möglich sein.

© JGU Pressestelle

Prof. Dr. Thomas Metzinger

studierte Philosophie, Religionswissenschaften und Ethnologie, 1992 habilitierte er sich an der Universität Gießen und lehrte u.a. an der Johannes Gutenberg-Universi-tät Mainz; bis April 2022 hatte er eine Senior-Forschungsprofessur inne. Als Philosoph an der Schnittstelle zwischen Philosophie des Geistes und kognitiver Neurowissenschaft beschäftigt er sich mit ethischen, anthropologischen und soziokulturellen Konsequenzen des Fortschritts in Neurowissenschaften und Künstlicher Intelligenz.

© Frank Respondek

Tatsudo Nicole Baden Roshi

ist Lehrnachfolgerin von Zentatsu Richard Baker Roshi, dem Begründer und Hauptlehrer der internationalen Gemeinschaft Dharma Sangha. Sie leitet das Zen Buddhistische Zentrum im Schwarzwald, das klösterliche Praxiszentrum der Dharma Sangha in der Zen-Buddhistischen SotoTradition. Nicole Baden studierte Psychologie an der Universität in Oldenburg und absolvierte eine körpertherapeutische Ausbildung im Body Mind Centering®. Von 2013-2019 war sie Ratsmitglied der Deutschen Buddhistischen Union.

© Mathes

Prof. Dr. Klaus-Dieter Mathes

ist Vorstand des Instituts für Südasien, Tibet- und Buddhismuskunde an der Universität Wien, und kann auf zahlreiche Publikationen im Bereich des Madhyamaka, Yogācāra und der Mahāmudrā verweisen.

In seiner neuesten Monographie „Maitrīpa: India‘s Yogi of Nondual Bliss“ (Shambhala Publications 2021) beschäftigt er sich mit Leben und Werk eines bekannten Mahāmudrā Meisters, der vor allem in den Kagyu Schulen des tibetischen Buddhismus eine große Rolle spielte.

© Mathes

Prof. Gert Scobel 

studierte Theologie und Philosophie in Frankfurt und Berkeley.
Er leitet und moderiert seit 2008 das interdisziplinäre Wissenschaftsformat „scobel“ (3sat) und den gleichnamigen YouTube-Kanal. Zu seinen Veröffentlichungen zählen u.a. „Weisheit“, „NichtDen- ken“ sowie zusammen mit M. Gabriel „Zwischen Gut und Böse. Philosophie der radi kalen Mitte”. Seit 2016 ist er Honorarprofessor für Philosophie und Interdisziplinarität an der Hochschule Bonn-Rhein- Sieg und dort im Direktorium des Zentrums für Ethik und Verantwortung.

Zeitplan

14:00 Uhr | Eröffnung durch den Vorstand der DBU

14:15 Uhr | Prof. Dr. Thomas Metzinger
Die Erfahrung des „reinen Bewusstseins“ in der Meditation: Auf dem Weg zu einer Minimalmodell-Erklärung für das Bewusstsein „an sich“

In der westlichen Philosophie des Geistes unterscheidet man zwischen Bewusstsein und Intentionalität, also zwischen der Art und Weise, wie sich ein geistiger Zustand anfühlt und seinem Inhalt, also dem, worauf er gerichtet ist. Bewusstsein hat mit subjektivem Erleben zu tun, Geist mit Erkenntnis. In der westlichen Tradition hat man häufig gedacht, dass es so etwas wie Geist oder Bewusst- sein ohne Inhalt eigentlich nicht geben kann: Bewusstsein sei immer Bewusstsein von etwas. Die asiatische Philosophie kennt aber viele Begriffe für ein reines Bewusstsein ohne Inhalt: dharmakāya, rigpa, sākṣin, samadhi, turiya oder ye shes. Gibt es „leeres“ Bewusstsein ohne Inhalt? Wenn ja, wird in ihm etwas erkannt? Und: Was ist eigentlich die einfachste Form des bewussten Erlebens?

Ich werde an Beispielen einige neuere Ergebnisse aus der Erforschung des „reinen Bewusstseins“ in der Meditation vorstellen; diese Ergebnisse könnten uns ein besseres Verständnis darüber vermitteln, was Geist und Bewusstsein eigentlich sind – empirisch wie auch philosophisch.

14:50 Uhr | Tatsudo Nicole Baden Roshi
Zen: Die Kunst, unser Erleben zu re-konstruieren

Buddhistische Anleitungen zur Geistesschulung wie das Training von Achtsamkeit, Liebe und Mitgefühl beruhen auf ver- schiedenen buddhistischen Geisteskonzepten, die hier kurz vorgestellt werden. Die Lehre der Geistesfaktoren zeigt dabei die Gestaltung unterschiedlicher Bewusstseinszustände auf. In der Tradition des Mahāyāna-Buddhismus wird vermittelt, dass die Natur unseres Geistes die Buddha-Natur sei. Bewusstsein wird dabei als erkennende Instanz verstanden, die klar und frei von Widerständen ist. Alle Hauptströmungen des Buddhismus gehen davon aus, dass jedes Lebewesen das Potenzial zur Erleuchtung hat und Geistesschulung ein Prozess ist, der sich über mehrere Leben hinweg fortsetzt.

15:20 Uhr Kurze Pause

15:30 Uhr | Prof. Dr. Klaus-Dieter Mathes Nur-Geist oder doch nur Leerheit?

Im Buddhismus ist Geist ist zuallererst intentional, also als „Bewusstsein von etwas“ gefasst. Darüber hinaus gibt es vor allem in dem vom Yogācāra geprägten Mahāyāna-Buddhismus eine wahre Natur des Geistes, die über die Dualität eines zu erfassenden Objekts und erfassenden Subjekts hinausgeht und mitunter auch als ihrem Wesen nach lichthaft, Buddhanatur oder ursprüng- liches Gewahrsein bezeichnet wird. Die sich daraus ergebenden Fragen, ob es dann überhaupt bewusstseinsäußere Objekte gibt, also alles nur ein Erkennen im Geist ist, und ob der Geist nicht wie alles andere auch leer von inhärenter Existenz ist, hat zur Herausbildung der beiden Hauptströmungen des Mahāyāna, Yogācāra und Madhyamaka geführt.

Nach einer Bestimmung des Begriffs „Geist“ im Yogācāra und Madhyamaka werde ich prüfen, inwieweit die Positionen der beiden Schulrichtungen kompatibel sind.

16:00 – 16:30 Uhr Pause

16:30 Uhr | Podiumsgespräch:
Prof. Dr. Thomas Metzinger, Tatsudo Nicole Baden Roshi, Prof. Dr. Klaus-Dieter Mathes; Moderation: Prof. Gert scobel

(Ende ca. 17:30 Uhr)

Veranstaltungsort

Stadtbibliothek Köln, Josef-Haubrich-Hof 1, 50676 Köln (Haltestelle „Neumarkt“)

Wenn Präsenz-Veranstaltungen mit Publikum am 15.7.22 noch nicht wieder möglich sein sollten, nur online via Zoom.

Tickets

Kosten: 15 € (Ermäßigungen nur über koelnticket.de und an der Tageskasse)

Ticket für die Online-Teilnahme buchen Sie bitte über www.eventbrite.de

Tickets für die Teilnahme vor Ort bitte über www.koelnticket.de sowie an der Tageskasse

Flyer