Buddhistische Kunst: Der japanische Weg

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Erstellt von Dr. Gerhard Weil

Zielgruppe

für die Klassen 7 bis 10 für alle Schularten der Sekundarstufe I

Eine Doppelstunde (90 Min.)

Lernziele und Kompetenzen

Die Schülerinnen und Schüler sollen…
– die Einflüsse der chinesischen Kultur auf die japanische als einen über Jahrhunderte dauernden Transfer beschreiben können.
– die wichtigsten Bereiche erläutern können, bei denen der (Zen-)Buddhismus über Kontakte zu China und entsprechende Mönche und Priester lange Zeit die Kunst Japans bestimmt hat.
– die Weiterentwicklung dieser Kunstformen zu einer originär japanischen an Beispielen darlegen können.
– den Begriff des Synkretismus am Beispiel Japans erklären.

Kompetenzen:

Die Fähigkeit, wesentliche Aussagen aus Texten und Materialien unterschiedlicher Art zu erfassen und diese in unterschiedlicher Art und Weise zum Ausdruck zu bringen bzw. beispielhaft vorzuführen.
Die Fähigkeit, die Ergebnisse der eigenen Arbeit in unterschiedlichen Weisen adressatenbezogen zu präsentieren und bei Mitschüler*innen wieder zu erkennen.

Methoden

Mediengestützter Lehrervortrag, arbeitsgleiche und arbeitsungleiche Gruppenarbeit der Schüler*innen, Zusammenfassung der Arbeitsergebnisse bzw. ihre Darstellung und Wiedererkennung durch die Mitschüler*innen. Alternative Planung: Statt Gruppenarbeit Partnerarbeit oder im Rahmen des Kooperativen Lernens (Cooperative Learning) „Think – Pair – Share“1.[1].

[1]    Green, Norm und Katty: „Kooperatives Lernen im Klassenraum und im Kollegium“, Klett/Kallmeyer, Seelze 2012, S. 130

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Hauptteil

Bevor man die buddhistische Kunst Japans betrachtet, ist es hilfreich, sich die religiöse Situation Japans in der Gegenwart und der Vergangenheit vor Augen zu führen, denn sie ist weltweit einzigartig: Von ca. 130 Mio. Einwohnern rechnen sich 2012 etwa 100.900.000  dem Shintoismus und 85 Mio. dem Buddhismus zu, Christen soll es knapp 2 Mio. geben. Das bedeutet die Zugehörigkeit der Mehrheit des Volkes zu Shintoismus, einer alten, ausschließlich nationalen, an Natur, Göttern und Kaiserhaus orientierten Glaubensform und gleichzeitig das Bekenntnis zu einer der vielen Traditionen des Buddhismus. Für Europäer völlig unüblich und unverständlich. Japaner aber heiraten gern im Shinto-Schrein mit Zeremonien des Shinto-Priesters und führen die Totenfeiern z.B. der Eltern mit Unterstützung von buddhistischen Mönchen oder Priestern durch. Erst im Zuge der Meiji-Restauration (ab 1868) kam es zu einer staatlich erzwungenen Trennung von Shinto und Buddhismus, von Shinto-Schreinen und buddhistischen Tempeln, die jedoch bei der Bevölkerung so nicht nachvollzogen wurde (siehe oben).
Der Buddhismus, der sich in China ab dem 5. Jhdt. u.Z. ausbreitete, kam ab Mitte des 6. Jhdt. über Korea nach Japan/Nara. Der Kronprinz Shotoku unter der Regentschaft der Kaiserin Suiko erhob (594 u.Z.) den Buddhismus zur Staatsreligion. Die dabei errichteten Tempel orientierten sich an der chinesischen Tempelarchitektur, diese wurde aber aufgrund der Erdbebengefahr leichter und häufiger in Holzbauweise errichtet und dem japanischen Geschmack angepasst. Ähnlich verhielt es sich beim Import von hölzernen und bronzenen Buddhastatuen, Glocken und für Mönche und die Priesterschaft notwendige Gerätschaften aus China: Der kulturelle Austausch mit Japan vertiefte sich bei gegenseitigen Besuchen der Mönche und veränderte in erster Linie Japan. Selbst nach einer Periode der politischen Isolation zwischen beiden Ländern blühte der Austausch im 12. Jhdt. u.Z. mit dem Import des in China schon seit dem 5. Jhdt. verbreiteten Chán-Buddhismus, der in Japan als Zen-Buddhismus mit den drei größeren Schulen, die gerade beim Adel und in höheren Kreisen schnell Anhänger fanden. Veranlasst hatten das jeweils japanische Mönche, die in China den Chán studiert und ihn dann nach Japan als Zen-Schulen mit jeweils eigenen Klöstern verbreitet hatten und dafür bis heute verehrt werden. Obwohl damals wie heute die Zen-Richtung niemals ihren Status als zahlenmäßige Minderheit unter den japanischen Buddhisten verloren hatte, war Zen für die kulturelle Entwicklung Japans prägend: Die Einführung von chinesischen Vorbildern und deren Weiterentwicklung ist z.B. beim Chado, dem Teeweg und bei dem Aufbau von Tempelgärten bis hin zu die Meditation fördernden Trockengärten (Zengärten) unverkennbar. Aber auch bei der Kalligraphie (Shodo) und der Tuschmalerei (Sumi-e) ist der kulturelle Einfluss des Zen-Buddhismus deutlich. Zunächst wurden die Bilder von Bodhidarma (jap. Daruma), dem indischen Mönch, der den (Mahayana-)Buddhismus nach China gebracht haben soll, und den Gründern der Zen-Schulen Japans (Dogen für die Soto-Schule, Eisai für Rinzai und Ingen Ryuki für Obaku) gefertigt und als Rollbilder zentral im Tempel platziert. Natürlich wurden Bilder nicht nur in Form der Tuschmalerei (Sumi-e) gemalt, sondern es entstanden auch vielfarbige Rollbilder auf präpariertem Baumwoll- oder Seidengrund sowie auf Trennwänden und Stellschirmen. Die chinesischen Vorbilder wurden adaptiert und im Laufe der Zeit oftmals vereinfacht und die Details größer dargestellt, besonders bei Porträts. Mit dem Einfluss des Sumi-e ging dann auch eine Vorliebe für das Monochrome einher. Beim Blumenarrangieren (Ikebana) kümmerten sich Priester und Mönche um die angemessene Verschönerung der Altäre und das Hereinnehmen der Natur ins Innere der Tempel. Erst im Verlauf der Edo-Zeit (1603-1867) wurden Frauen in dieser Kunst unterrichtet.
Der große Einfluss des Zen-Buddhismus in der sogenannten Muromachi-Zeit (1333-1573 mit der Rückkehr des politischen Zentrums nach Kyoto) auf den Schwertadel, der elitären Samurai-Klasse, die die Zen-Werte der persönlichen Disziplin, Konzentration und Selbstentwicklung annahm, ist für die weitere Kunstentwicklung prägend.
„Zunächst einmal fällt  bei allen vom Geist des Zen bestimmten Kunstschöpfungen und zu künstlerischen „Wegen“ (do) ausgereiften Kunstfertigkeiten {…} ein elementarer Sinn für ungekünstelte Einfachheit, Schlichtheit, Sachlichkeit und Reinheit auf, für selbstverständ-liche Ungezwungenheit und zupackende Unmittelbarkeit sowie ein tiefes, respektvolles Naturgefühl.“[1] Ein japanischer Zen-Kenner hat dies außerdem u.a. mit den Begriffen Asymmetrie, abgründige Tiefe, Losgelöstheit, Stille, innere Ruhe und Ausgeglichenheit beschrieben und damit den Zusammenhang mit der dem Zen besonders wichtigen Meditation verdeutlicht.[2]
Das besonders Buddhistische an diesen „Wegen“ ist entweder der Bezug zum Tempelbau, der Gestaltung der Buddha- und Wächterfiguren und der Tempelgärten, oder die Tatsache, dass Mönche und Priester diese Kunstformen wie Kalligraphie, Tuschmalerei etc.  im Austausch mit China nach Japan gebracht hatten und lange Zeit in vielen Sparten in den Klöstern weiter pflegten, oftmals ganze Schulen gründeten.
Die zweite Möglichkeit war wie beim Chado, dass die drei führenden Teemeister den Zen-Buddhismus intensiv studierten, nachdem dieser Weg die Klostermauern verlassen hatte.

Trotz der langen Zeit ist es bis heute immer noch häufig üblich, kundigen Zen-Priestern den Entwurf von japanischen Gärten (wie zum Beispiel in den „Gärten der Welt“ in Berlin) anzuvertrauen.

[1] Brinker, Helmut: „Ästhetik und Kunstauffassung des Zen“ in „Zen und die Kultur Japans“, Museum für Völkerkunde Berlin,  Berlin 1993, S. 37

[2] a.a.O.

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