Buddhistische Pilgerreise

Text und Layout erstellt von Dr. Gerhard Weil

Zielgruppe

für die Klassen 7 bis 10 für alle Schularten der Sekundarstufe I

Eine Doppelstunde (90 Min.)

Voraussetzung für diesen Unterricht ist die vorherige Beschäftigung der Klasse mit dem Leben des Buddha, seiner Lehre der Vier edlen Wahrheiten und dem Achtfachen Pfad sowie dem Begriff der Erleuchtung.

Lernziele und Kompetenzen

Die Schülerinnen und Schüler sollen…
– die Bedeutung von Pilgerreisen für die Verstärkung der Gemeinschaftsbildung bei den Weltreligionen erläutern und einige Pilgerorte der verschiedenen Weltreligionen benennen können.
– beim Lesen eines alten Originaltextes (M 2) aus dem Palikanon (in deutscher Übersetzung) die Eigenart der Darstellung benennen und den Inhalt mit eigenen Worten beschreiben können.
– vier Orte in Indien und Nepal mit Geschehnissen aus dem Leben des Buddha und seiner Lehre verknüpfen und als Pilgerorte für Buddhisten in aller Welt beschreiben können.
– exemplarisch die Anlagen vor Ort (Mahabodhi-Stupa, Bodhi-Baum, Diamant-Sitz etc.) in Bodhgaya und die Aktivitäten der Pilger darlegen können.
– am Beispiel der Reiseprospektauszüge und des Bildmaterials eine Werbeseite für den Besuch in Bodhgaya in Gruppen gestalten können.
– in Gruppen beschreiben können, was eine Pilgerfahrt für Buddhisten attraktiv machen könnte.
Kompetenzen:
– Die Fähigkeit, wesentliche Aussagen aus Texten und Materialien unterschiedlicher Art zu erfassen und diese in unterschiedlicher Art und Weise zum Ausdruck zu bringen bzw. beispielhaft vorzuführen.
– Die Fähigkeit, die Ergebnisse der eigenen Arbeit in unterschiedlichen Weisen adressatenbezogen zu präsentieren und bei Mitschüler*innen wieder zu erkennen.
– Die Fähigkeit, bei einer Hausarbeit allein zu Hause oder mit Mitschüler*innen in einer Lerngruppe außerhalb der Schule mit Hilfe elektronischer Medien eine anspruchsvolle Recherchearbeit im Internet durchzuführen und die Ergebnisse schriftlich in einem Arbeitsbogen festzuhalten.

Methoden

Mediengestützter Lehrervortrag, arbeitsgleiche Gruppenarbeit der Schüler*innen, Zusammenfassung der Arbeitsergebnisse bzw. ihre Darstellung und Wiedererkennung durch die Mitschüler*innen. Alternative Planung: Statt Gruppenarbeit Partnerarbeit oder im Rahmen des Kooperativen Lernens (Cooperative Learning) „Think – Pair – Share“ . Außerdem für die Hausarbeit in Einzel- oder Gruppenarbeit zielgerichtete Internetrecherche und Umsetzung der Ergebnisse in einen Arbeitsbogen.

Hauptteil

Das Wort Pilger stammt aus dem Lateinischen von „pelegrinus“ „in der Fremde sein“, im Kirchenlatein war damit eine Person gemeint, die in die Fremde zieht, um aus religiösen Gründen, meist zu Fuß, eine Wallfahrt zu einem Pilgerort zu machen. Ziel ist – je nach Religion – ein für diese wichtiger Ort, eine Kirche, ein Tempel, eine Begräbnisstätte oder wie in der Antike der Sitz eines Orakels. Häufig wurden an diesen Orten Reliquien (Erinnerungstücke) verehrt, die die Erinnerung an religiöse Ereignisse wachhalten sollten. Manche Reliquien wurden sogar gestohlen, wie die Gebeine des „Heiligen Nikolaus von Myra“ durch italienische Kaufleute, die im Dom zu Bari in Süditalien ihre letzte Ruhe und Verehrung fanden, während Orthodoxe aller Richtungen weiterhin an das leere Grab in Myra, Türkei, pilgern. Aus diesen Pilgerreisen entwickelten sich in der Folgezeit mitunter auch kommerziell wichtige Unternehmungen, bisweilen sogar Kriege wie die Kreuzzüge zur Befreiung des Grabes Jesu von den Muslimen.

Es wird mit M 1 deutlich gemacht, dass die Weltreligionen in aller Welt zahlreiche Pilgerorte betreiben, manchmal sogar verschiedene Religionen an einem Ort wie z.B. Jerusalem, die weltberühmt sind und entweder permanent oder anlässlich bestimmter Festtagszeiten mit saisonalen Höhepunkten (Mekka und Medina z.B. zum Opferfest) besonders zahlreich besucht werden.

Was den Buddhismus anbelangt, so hat der Buddha selbst zu seinen Lebzeiten die mit seinem Leben (und späteren) Sterben vier wichtigen Orte Lumbini (heute Nepal: Geburt), Bodhgaya (Erleuchtung), Sarnath (erste Lehrrede) und Kushinagar (Eingang ins Parinirvana) zum Besuch empfohlen, „um dabei in seinem Gemüt ergriffen zu sein“ (siehe M 2, Digha Nikaya 16.5.8). In der Tat haben sich die Buddhisten nach seinem Tod an die Empfehlung ihres Lehrers gehalten, aber auch nach dessen Verbrennung seine Überreste in Stupas verehrt. Das berühmteste Beispiel ist dabei die Zahnreliquie, die von dem indischen buddhistischen Kaiser Ashoka nach Sri Lanka geschickt wurde und dort bis heute im Zahntempel von Kandy verehrt wird.
Sicherlich ist aber Bodhgaya von den buddhistischen Pilgerorten der gefragteste.
Bodhgaya gehörte zu Lebzeiten des Buddha unter dem Pali-Namen Uruvela zum Königreich Magadha, wo Siddharta Gautama um 534 v.u.Z. unter einem Bodhi-Baum seine Erleuchtung erlangte.
Der erste Stupa soll von Kaiser Ashoka um 250 v.u.Z. direkt neben dem Bodhi-Baum errichtet worden sein, der jetzige Mahabodhi-Stupa weist nur noch wenige Bestandteile der ursprünglichen Anlage auf und hat zahlreiche Restaurierungen erfahren. Ashoka errichte vor Ort auch eine Ediktsäule mit Elefantenkapitell, von der auch nur Überreste erhalten sind.

Material

Textdarstellungen:

Bilddarstellungen: